17. bis 19. September 2012
Zeichnet sich die literaturhistorische Beschreibung der ‚Moderne‘ bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts durch die Abfolge literarischer Strömungen wie Symbolismus, Expressionismus und Neue Sachlichkeit aus, so werden für die Folgezeit politisch-zeitgeschichtliche Kategorien übernommen (‚Literatur des Dritten Reichs‘, ‚Exilliteratur‘, ‚Literatur nach 1945‘). Kontinuitäten, die in formaler und poetologischer Hinsicht über die historischen Zäsuren 1933/1939/1945 hinaus bestehen, werden dadurch häufig ebenso übersehen wie mögliche strukturelle Analogien zwischen Texten der NS-Literatur, der ‚Inneren Emigration‘ und der ‚Exilliteratur‘.
Der Workshop möchte deshalb eine Geschichte der Schreibweisen nach den Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts skizzieren. Seit 1930 überwiegen regressive Tendenzen, die sich in einer Hinwendung zur Natur oder zu magischen bzw. pseudo-religiösen Elementen äußern. Zugleich knüpfen viele Texte jedoch an das moderne Prinzip des Formexperiments an. Offensichtlich können nach 1933 moderne Schreibweisen gerade in dieser Amalgamierung mit regressiven Momenten fortgeführt werden und stehen so nach dem Zweiten Weltkrieg als Reservoir formaler Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung. In diesem Sinne kommt es nach 1945 – in der hermetischen Lyrik ebenso wie etwa in den Romanen Wolfgang Koeppens – nicht einfach zu einer Reaktivierung von Tendenzen der literarischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts. Vielmehr werden Traditionen fortgesetzt, die nie völlig unterbrochen waren.
Wissenschaftliche Leitung:
Dr. phil. habil. Jörg Schuster (Greifswald/Marburg)
Programm
(PDF-Datei)
Information:
tagungsbuero(at)wiko-greifswald.de











