Professor Dr. Louis Pahlow

Alfried Krupp Senior Fellow
(Oktober 2019 - September 2020) 

  • Geboren 1970 in Gießen
  • Studium der Rechtswissenschaft, Mittleren und Neueren Geschichte in Gießen, Bayreuth und München
  • Professor für Neuere und Neueste Rechtsgeschichte, Zivilrecht und Gewerblichen Rechtsschutz an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main

Fellow-Projekt: „Recht und Kapitalismus“

Der Kapitalismus ist spätestens seit der Finanzkrise 2008 wieder zu einem kontroversen Thema im öffentlichen Diskurs geworden. Und nicht erst seit Karl Marx werden auch „Recht“ und „Staat“ auf unterschiedliche Weise in diese Form des Wirtschaftens eingebunden, Kongruenzen identifiziert oder bestritten. Bis heute fehlen aber empirische Untersuchungen darüber, wie sich rechtliche Ordnungen in der Praxis zum Kapitalismus verhalten: Zwar dürfte es nicht überraschen, dass dem Recht für die Entwicklung des Kapitalismus eine zentrale Rolle zukam (und -kommt). Aber wie Recht kapitalistisches Wirtschaften konkret formte, und wie umgekehrt „der“ Kapitalismus auf „das“ Recht wirkte, bleibt weitgehend offen. Welche rechtlichen Institutionen sind erforderlich, um kapitalistisches Handeln zu initiieren bzw. zu ermöglichen? Wie und mit welchen Erfolgen wird mithilfe von Recht auf (dem Kapitalismus inhärente) Krisen reagiert? Wie gestaltet sich die Interdependenz zwischen politischem System, Rechtsprechung und wirtschaftlichem Handeln in diesem Kontext? Das Projekt will diesen Fragen anhand einer systematischen Untersuchung von Rechtsakteuren und Rechtskonflikten in der Expansionsphase kapitalistischer Märkte im Deutschland des 19. Jahrhunderts nachgehen. Der Zeitraum zwischen ca. 1800 und 1900 verspricht hier nicht nur erhebliche wirtschaftliche, sondern auch rechtliche Dynamiken, mit denen sowohl die Etablierung und Transformation von Recht für die kapitalistischen Akteure analysiert als auch die Bindungskraft und Durchsetzungsfähigkeit von Recht rekonstruiert werden können.