Erfahrungsberichte von Kollegiaten

In dieser Rubrik berichten Kollegiaten über ihre Eindrücke aus Veranstaltungen des Jungen Kollegs Greifswald. 


Design-Thinking

D-School Workshop in Berlin mit Studierenden der Stanford University

Von Robert Görsch
Die Entfesselung der weltweiten Kreativität. Und wir Greifswalder mittendrin. In Berlin. Der Anspruch der D-School in Standford ist ein zugegebenermaßen sehr umfassender, etwas skeptisch war unsere Exkursionsgruppe daher schon, als wir vom 10.-12. April 2015 auf das Team und die amerikanischen Studierenden trafen. Durch den Kontakt zu einer Außenstelle der Stanforder in Berlin Dahlem war es dem Jungen Kolleg möglich, an einem praktischen Seminar zu Kreativitätstechniken und Formen der Zusammenarbeit in Gruppen teilzunehmen.

Vor dem Workshop hatten wir zudem die Möglichkeit, die Austauschstudierenden kennenzulernen und uns mit ihnen über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Hochschulsysteme auszutauschen. Das Studium in Stanford ist aufgrund ihres herausragenden Status für diejenigen, welche den anspruchsvollen Bewerbungsprozess erfolgreich bestehen, ein Privileg sondergleichen. Das im Vergleich dazu homogener gestaltete deutsche System führt folglich zu weniger Ansturm auf einzelne (Elite-)Universitäten.

Inhaltlich lassen sich die Kernideen des Wochenendes etwa so zusammenfassen: Wenn man kreativ etwas erreichen möchte, sollte man vor allem keine Hemmungen haben, etwas auszuprobieren, Fehler sollte man feiern anstatt sie unbedingt vermeiden zu wollen und innerhalb einer Gruppe sollte man einen offenen, Sicherheit vermittelnden Umgang mit Gedanken und Gefühlen pflegen. Dies durften wir dann auch in bunt gemischten Teams mit eigenen kleinen Projekten auf den Straßen und in den Parks Berlins durchführen, was zu sehr vielen interessanten Begegnungen mit fremden Menschen führte. Vor allem die sich daraus entwickelnden, verblüffend intensiven Gespräche haben uns fasziniert.

Zusammengenommen verbrachten wir also ein sehr anregendes Wochenende gemeinsam, der ein oder andere hat sicherlich etwas aus dem Workshop in sein Alltagsleben mitgenommen. Kann ein Wochenende die Lebensweise verändern? Stanford sagt: vielleicht.


Diskussionsrunde des JKG mit Dr. Heinrich Hiesinger

Junge Kollegiaten diskutieren mit Thyssen-Krupp-Vorstandsvorsitzenden

Von Elisabeth Kersten 
Welche Strategie soll ein großes, traditionsreiches Unternehmen planen? Wie kann ich neue Kommunikationsformen für meine Firma nutzen? Rund 30 Studenten und Doktoranden hatten am 6. Februar 2014 die Möglichkeit, mit Dr. Heinrich Hiesinger, dem Vorstandsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG, in einer kleinen Runde zu diskutieren. Das Junge Kolleg hatte dieses Treffen mit anschließendem öffentlichen Plenarvortrag veranstaltet, um eine interessante Führungskraft in einer kleinen, ungezwungenen Runde kennenzulernen. Prof. Dr. Karlheinz Altendorf, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates und engagierter Förderer der Jungen Kollegiaten, hatte Dr. Heinrich Hiesinger für das Treffen mit den Kollegiaten gewinnen können.

Schon die erste Frage brach das Eis zwischen dem erfahrenen Ingenieur und den Studenten. „Ich habe auf meinem Konto plus/minus 500 Euro. Wie ist das eigentlich, wenn man ein Millionen-Gehalt verdient? Macht das da noch einen Unterschied, ob man zwei oder drei Millionen Euro verdient?“ Diese ungewöhnliche Frage brachte Hiesinger nicht aus dem Konzept, sondern er erklärte in Ruhe, wie sich solche Jahresgehälter zusammensetzen, das Gehälter von aktiendotierten Vorstandsmitgliedern öffentlich dargelegt werden müssen und dass auch der Fiskus seinen Anteil sehen möchte.

Dr. Hiesinger bestach vor allem mit seiner offenen, bodenständigen Art. Überzeugt hat er die Strategie vermittelt, dass er alle Mitarbeiter seiner Firma in ein Boot holen und einschwören möchte, vom Manager bis zum einfachen Handwerker. Neue Kommunikationsformen wie Podcasts werden auch dazu genutzt.

Das Treffen mit Dr. Heinrich Hiesinger war ein sehr gelungenes erstes Tête-à-Tête mit einer Führungspersönlichkeit, eine extrem gut besuchte Veranstaltung und der Auftakt, um weitere ähnliche Veranstaltung zu organisieren.


Vortragsreihe: Krieg und Frieden. Gestern, heute, morgen.

Krieg und Frieden in Greifswald

Von Robert Görsch 
In der Vortragsreihe „Krieg & Frieden. Gestern, heute, morgen“, welche das Junge Kolleg semesterbegleitend im Jahr 2014 veranstaltet, haben wir mit der Friedens- und Konfliktforschung einen Themenbereich der Geschichts- und Politikwissenschaft gewählt, um uns unter anderem mit dem Verhältnis von Demokratien zum Krieg, sowohl in der heutigen Zeit, als auch in historischer Perspektive zu beschäftigen. Neben sechs Vorträgen, welche in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Politik- und Kommunikationswissenschaft und dem Historischen Institut der Universität Greifswald organisiert worden sind, sollen auch zwei begleitende Seminare angeboten werden, um in die Zusammenhänge der Friedens- und Konfliktforschung einzuführen. Prof. Dr. Reinhard Merkel eröffnete die Reihe mit einer interessanten rechtsethischen Betrachtung des liberalen Interventionismus, in der die Frage behandelt wurde, welche rechtlichen Grundlagen und Kriterien für das militärische Eingreifen von  Staaten oder der Staatengemeinschaft in Drittstaaten bestehen. 
 
Eine weitere Motivation für die Durchführung dieser Reihe lieferte der Beginn des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren, um den es auch in der zweiten Veranstaltung ging. Prof. Dr. Herfried Münkler las aus seinem aktuellen Buch „Der große Krieg. Die Welt 1914 bis 1918“. Dass diese Reihe plötzlich auch so schockierend aktuelle Bedeutungen erhielt, war vor der derzeitigen Eskalation der Situationen in Israel/Palästina, Irak und der Ukraine noch nicht abzusehen. Jene Krisen sind es sicherlich auch, welche der Vortragsreihe eine herausragende Relevanz verleihen. Dementsprechend hoch sind auch die Erwartungen an die im Wintersemester 14/15 stattfindenden drei Vorträge, welche die Themen nichtstaatliche Gewalt, Lehren und Lernen aus vorangegangenen Kriegen und den Afghanistaneinsatz behandeln werden. Wie es im Alfried-Krupp Wissenschaftskolleg erfolgreiche Praxis ist, konnten dafür Wissenschaftler aus unterschiedlichen Universitäten gewonnen werden.