Unser täglich Brot gib uns morgen ... Die Zukunft der Ernährung

Alle Veranstaltungen auf einen Blick

Ob Rinderwahnsinn oder EHEC, ob längere Dürreperioden oder Überschwemmungen – die Bandbreite der Faktoren, die unsere Ernährung beeinflusst haben und werden, ist nahezu unüberschaubar. Dabei ist und war eine gesicherte Ernährung keinesfalls für alle Menschen auf der Erde eine Selbstverständlichkeit – und wird es wohl auch in Zukunft nicht sein. Erosion, Wasserverschmutzung, Landverbrauch und nicht zuletzt Hunger verweisen auf die Fragilität der vermeintlich sicher geglaubten Nahrungsmittelversorgung. Auch in Europa konnten wir in den letzten Jahren zunehmend erleben, welchen Einfluss Klimaveränderungen sowohl auf unsere Supermarktregale als auch unsere Grundwasserbestände haben. 
Die vierteilige Reihe des Jungen Kollegs Greifswald (JKG) im Sommersemester 2021 ist zunächst auf die Zukunftsperspektiven der Ernährung vor dem Hintergrund der Klimakrise konzentriert. Im Anschluss daran stehen politische wie ökonomische Fragen von landwirtschaftlichen Nutzflächen im Mittelpunkt. Ergänzt werden diese Themenschwerpunkte durch die Beleuchtung gentechnischer Methoden und Anwendungen (CRISPR/Cas) an Nutzpflanzen. Eine digitale Podiumsdiskussion soll abschließend die Ressource Wasser beleuchten, die sowohl für den Menschen als auch die Natur grundlegend und unverzichtbar ist.

Das JKG ist ein wissenschaftliches Forum für Greifswalder Stipendiatinnen und Stipendiaten der Begabtenförderungswerke und des Deutschlandstipendiums und dient der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Vortragsreihe des Jungen Kollegs Greifswald wird gefördert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach–Stiftung, Essen. 
Das Junge Kolleg Greifswald ist eine Programmsäule des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs Greifswald, einer wissenschaftlich unabhängigen Einrichtung in der Trägerschaft der Stiftung Alfried Krupp Kolleg Greifswald.

Aufgrund der Corona-Pandemie werden die Vorträge digital im Livestream angeboten. Der Zugang zum virtuellen Hörsaal des Krupp-Kollegs wird über die Anwendung „Zoom“ bereitgestellt.
Weitere Informationen zu den Digital Lectures 


THEMEN UND TERMINE:

Dienstag, 6. April 2021 · 18.00 Uhr
Klimakrise – Risiko für die Welternährung und Handlungsbedarf
Professor Dr. Dr. h. c. Joachim von Braun
Universität Bonn, Zentrum für Entwicklungsforschung

Der Klimawandel bedroht Ernährung, Gesundheit und Umwelt. Neue Forschungen zu Auswirkungen des Klimawandels auf die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und die Stabilität der Nahrungsversorgung werden vorgestellt. Vor allem Wetterextreme mit Temperatur- und Niederschlagsschocks erhöhen weltweit die Risiken der Agrarwirtschaft – damit führt der Klimawandel auch zu höheren Schwankungen der Preise. Der Klimawandel betrifft insbesondere verstärkt Gebiete, die schon derzeit anfällig für Hunger und Unterernährung sind. Erhebliche Investitionen in Anpassungsmaßnahmen sind erforderlich. Studien in Afrika und Südasien zeigen, wie sich die Klimakrise schon jetzt auswirkt, wie Menschen darauf reagieren und wie sie dabei unterstützt werden können, mit den Risiken umzugehen.

Joachim von Braun ist Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) und Professor für wirtschaftlichen und technologischen Wandel an der Universität Bonn. Seine wissenschaftlichen Arbeiten konzentrieren sich auf wirtschaftliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung, Armut, Nachhaltigkeit und Innovation. Er ist Präsident der päpstlichen Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Nationalen Akademie der  Wissenschaften Leopoldina, der Akademie der Technikwissenschaften (acatech), der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Fellow der American Association for the Advancement of Science sowie der African Academy of Science. Von Braun ist Vizepräsident der Welthungerhilfe.
Begrüßung: Professorin Dr. Ulla Bonas
Moderation: Jonas Langer

 

Dienstag, 27. April 2021 · 18.00 Uhr
Gentechnik an Kulturpflanzen: Eine Lösung für zukünftige Ernährungsprobleme?
Robert Hoffie M. Sc.
Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, Gatersleben

Seit über 10.000 Jahren baut der Mensch Pflanzen an und hat sie dabei stetig verändert, immer besser an seine Bedürfnisse angepasst und sogar neue Arten erschaffen. Die heutigen Sorten von Weizen, Mais und Kohl haben mit ihren wilden Vorfahren äußerlich nur noch wenig gemeinsam. Dieser Domestikation und Züchtung liegen genetische Veränderungen zugrunde. Im Laufe der Jahrhunderte kamen immer wieder Züchtungstechniken dazu von zufälliger Auswahl über gezielte Kreuzung bis hin zur Grünen Gentechnik. Der Vortrag geht auf biologische und technische Grundlagen verschiedener Methoden ein und beschreibt Möglichkeiten und Grenzen, wie moderne Pflanzenzüchtung zu einer nachhaltigen Ernährung beitragen kann.

Robert Hoffie hat an der Leibniz Universität Hannover Pflanzenbiotechnologie studiert. Heute ist er Doktorand am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben. Dort arbeitet er mithilfe von CRISPR/Cas an Gerste, um diese resistent gegen Viruskrankheiten zu machen. Neben der Forschung ist Robert Hoffie außerdem in der Wissenschaftskommunikation aktiv. Unter anderem betreibt er mit anderen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit der Initiative Progressive Agrarwende einen Blog zu Themen rund um Landwirtschaft, Ernährung und neue Züchtungstechniken. Darüber hinaus gibt er bei Laborführungen und Vorträgen Einblicke in seine Forschungsarbeit. Als 
@ForscherRobert bringt er sich bei Twitter regelmäßig in den gesellschaftlichen Dialog zur Grünen Gentechnik und neuen Züchtungstechniken ein.
Moderation: Kora Uellendahl B. Sc.

 

Dienstag, 11. Mai 2021 · 18.00 Uhr
Mehr Land unter den Pflug? Zur Zukunft von Landnutzung und Welternährung
Professorin Dr. Regina Birner 
Universität Hohenheim

Die Sicherung der Welternährung stellt auf Grund des Bevölkerungswachstums und des Klimawandels eine große Herausforderung dar. Inwieweit kann die Agrarproduktion auf den Flächen nachhaltig gesteigert werden, die schon ackerbaulich genutzt sind? Muss zur Sicherung der Welternährung mehr Land unter den Pflug genommen werden? Welche Rolle spielt die Tierhaltung für die zukünftige Landnutzung? Welche Auswirkungen hat die großflächige Aneignung von Land durch Investoren („Land Grabbing“)? Wie lässt sich die Landnutzung überhaupt politisch steuern? In dem Vortrag werden diese Fragen aus globaler Perspektive und mit Fallbeispielen aus Äthiopien, Kenia und Sambia diskutiert. 

Regina Birner ist Agrarökonomin und hat den Lehrstuhl für “Sozialen und institutionellen Wandel in der landwirtschaftlichen Entwicklung” am Hans-Ruthenberg-Institut der Universität Hohenheim inne. Ihre Forschung befasst sich mit den Herausforderungen der globalen Ernährungssicherung und der nachhaltigen landwirtschaftlichen Entwicklung. Sie verfügt über mehr als 25 Jahre Forschungserfahrung in Afrika, Asien und Lateinamerika und ist auch als Beraterin für internationale Organisationen wie die Weltbank und die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) tätig. 
Moderation: Lena Stock M. Sc.

 

Dienstag, 22. Juni 2021 · 18.00 Uhr
Wasser: Grund zum Leben – Grund zur Sorge?

  • Dr. Till Backhaus (Minister für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Mecklenburg-Vorpommern)
  • Privatdozent Dr. Thomas Kluge (Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main)
  • Dr. Burkhard Roloff (BUND Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin)
  • Katrin Zilian (Rechtsanwältin und Landwirtin, Insel Rügen)

Wasser ist die wichtigste Grundlage des Lebens. Ob in Vorpommern, Deutschland oder der Welt – Trockenheit, Dürre und intensive landwirtschaftliche Nutzung haben gerade in den letzten Jahren in einigen Regionen der Welt zu Wasserengpässen, Waldbränden oder Bodenerosionen geführt. Solche Ereignisse werden uns auch in der Zukunft wohl noch häufiger begegnen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion möchte das Junge Kolleg unter anderem die Frage stellen, ob die Sorge um Wasserverfügbarkeit und Wasserqualität berechtigt ist. In einem Impulsvortrag wird Privatdozent Dr. Thomas Kluge vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung vor diesem Hintergrund notwendige Veränderungen des Wassermanagements im Zuge einer nachhaltigen Transformation ansprechen.

Dr. Till Backhaus ist Agraringenieur und seit 1998 Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Privatdozent Dr. Thomas Kluge ist Sozialwissenschaftler und Umweltforscher sowie Mitbegründer des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main.
Dr. Burkhard Roloff ist Agrarwissenschaftler im Bezirkspflanzenschutzamt in Schwerin und seit 2003 Agrarreferent beim BUND Landesverband Mecklenburg-Vorpommern.
Katrin Zilian ist Fachanwältin für Arbeitsrecht. Sie betreibt außerdem einen landwirtschaftlichen Betrieb in Poseritz auf Rügen.
Moderation: Antonio Chaves