Gegenwartskultur. Nach der Digitalisierung

Alle Veranstaltungen im Kolleg auf einen Blick

Was macht Gegenwartskultur aus? Wie wirkt sich die Dauerpräsenz von digitalen Medien auf unseren Begriff von Kultur aus? Was heißt heute – nach der Digitalisierung – Gegenwart? Der Modus des always-on, die unablässige Fokussierung auf eine online vernetzte Gegenwart, scheint zur instantanen Verfügbarkeit und permanenten Aktualisierbarkeit von allem und jedem zu führen, an jedem Ort, zu jeder Zeit. Leben wir also längst in einer „Kultur der Digitalität“?
In Vorträgen, Lesungen und Gesprächen, aus der Perspektive von Literatur-, Medien- und Kommunikations-wissenschaft, aus Sicht von Literatur und Bildender Kunst widmet sich die Vortragsreihe der Frage, wie die Digitalisierung die Gegenwartskultur verändert hat. Wie reagiert die Gegenwartsliteratur auf die längst zur Normalität gewordenen digitalen Medien? Wie positioniert man sich als Autorin in den Sozialen Netzwerken?
Wie geht man mit Bots und Trollen um, wie mit einer Medienkritik, die auf fake news setzt? Welche Konsequenzen ergeben sich für das Vertrauen in Medien? Mit welchen Strategien antworten Künstlerinnen auf das Zeitalter der digitalen Selbstinszenierung? Welche Konsequenzen ergeben sich im Zuge der Digitalisierung für das Medium der Zeitung, das maßgeblich an der Ausprägung unserer Auffassung von Aktualität und Gegenwart beteiligt war?

Der interdisziplinären Vortragsreihe sind zwei Seminare in der Germanistik zugeordnet, sie ist mit dem Forschungsschwerpunkt „Schreibweisen der Gegenwart“ im Bereich Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie verbunden und kooperiert mit dem Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung (IZfG).

THEMEN UND TERMINE:

Dienstag, 17. April 2018 · 18.15 Uhr
»    Gegenwartskultur. Nach der Digitalisierung
Professor Dr. Eckhard Schumacher (Universität Greifswald)

Dienstag, 8. Mai 2018 · 18.15 Uhr
»    Algorithmus und Alltag. Literatur nach der Digitalisierung
Elias Kreuzmair M. A. (Universität Greifswald)

Dienstag, 29. Mai 2018 · 18.15 Uhr
»    Das Stummmachen der Sirenen: Wie Autorinnen im Netz Gegenwart schreiben und Vergangenheit erleben
Sarah Berger: „Match deleted. Tinder Shorts“
(Autorin und Fotografin, Berlin)
Christiane Frohmann: „Präraffaelitische Girls erklären das Internet“
(Autorin und Verlegerin, Berlin)

Dienstag, 5. Juni 2018 · 18.15 Uhr
»    Lügenpresse und Fake News? Medienvertrauen und Medienskepsis in einer digitalisierten Welt
Professor Dr. Bernd Blöbaum (Universität Münster)

Dienstag, 19. Juni 2018 · 18.15 Uhr
»    Der weibliche Blick. Künstlerinnen im Zeitalter digitaler Selbstinszenierung
Anika Meier (Autorin und Kuratorin, Hamburg / Berlin)
in Kooperation mit dem Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung (IZfG)

Dienstag, 3. Juli 2018 · 18.15 Uhr
»    Faits divers. Die Zeitung als Organ der Gegenwart
Professor Dr. Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung, Humboldt-Universität zu Berlin)

Konzeption: Professor Dr. Eckhard Schumacher

Korrespondierende Lehrveranstaltungen an der Universität Greifswald

Seminar: „Present Shock. Zeit, Medien, Digitalisierung“
(Professor Dr. Eckhard Schumacher)

Donnerstag 10 bis 12 Uhr, Institut für Deutsche Philologie, Raum 1.22
MA Kultur – Interkulturalität – Literatur, MA Germanistische Literaturwissenschaft

„Unsere Gesellschaft konzentriert sich auf den gegenwärtigen Moment. Wir erleben alles im Liveticker, in Echtzeit, always-on“, schreibt David Rushkoff in seiner Studie Present Shock: „Erzählstrukturen und Ziele lösen sich auf, und was übrig bleibt, sind verzerrte Aufnahmen vom Echten und Unmittelbaren in Form von Tweets und Status-Updates. Was wir gerade im Augenblick tun, wird wichtiger als alles andere – mit verheerenden Folgen.“ Rushkoff ist nicht der erste, der die Gegenwartsfixierung der heutigen Gesellschaft problematisiert, und er ist nicht der einzige, der die Medien – insbesondere die weltweite digitale Vernetzung – für die „Kultur des Präsentismus“ verantwortlich macht. In einer Verbindung von Vorlesung und Seminar wird die Lehrveranstaltung diese und weitere Zeitdiagnosen diskutieren, einschlägig relevante Konzepte wie Digitalisierung, Aktualität und Akzeleration medientheoretisch wie mediengeschichtlich reflektieren und vor dem Hintergrund der Zeitstrukturen in der Moderne historisch perspektivieren.

Seminar: „Literatur der Digitalität“
(Elias Kreuzmair M. A.)

Mittwoch 8 bis 10 Uhr, Institut für Deutsche Philologie, Raum 1.18
Lehramt Deutsch, BA Germanistik

Die Digitalisierung hat verändert, was wir unter Literatur verstehen. Social Media, Blogs und Bots erweitern die Möglichkeiten des literarischen Schreibens und stoßen die Entwicklung neuer Schreibweisen an. Auch literarische Formen, die nicht unmittelbar auf digitale Publikationsmedien zurückgreifen, können sich als Teil einer „Kultur der Digitalität“ (Stalder) dem Einfluss des Digitalen kaum entziehen. Zugleich arbeiten literarische Texte nicht nur durch ihre Schreibweisen, sondern auch auf thematischer Ebene an der Reflexion von Digitalisierungsphänomenen. Vor diesem Hintergrund werden im Seminar Texte der Gegenwartsliteratur in den Blick genommen, um die Frage nach der wechselseitigen Beziehung zwischen Digitalisierungsdiskurs und literarischen Formen zu stellen.