Adornos Mahler-Kriterien für Sibelius? – anhand seiner 4. und 5. Sinfonie

Öffentliche Veranstaltung mit Livestream
Foto: Manu Theobald

Peter Gülke, als Dirigent wie als Musikwissenschaftler gleichermaßen renommiert, wählt einen gleichsam paradoxen Ansatz: Lassen sich die Kriterien, anhand derer Theodor W. Adorno die Musik des Sibelius-Zeitgenossen Gustav Mahler würdigte, auf Sibelius übertragen? Die Brisanz dieser Frage liegt auf der Hand: Adornos „Glosse über Sibelius“, ihrerseits eine Reaktion auf die weit verbreitete unkritische Sibelius-Verehrung in den 1930er Jahren, kanzelte die Musik des Finnen erbarmungslos als dilettantisch ab, was in Finnland eine bis heute anhaltende Kontroverse auslöste. Mahler wiederum bezeichete die Musik des Finnen rundheraus als „Kitsch“.

Peter Gülke studierte Violoncello, Musikwissenschaft, Germanistik und Romanistik von 1952 bis 1957 u. a. bei Heinrich Besseler an den Universitäten bzw. Hochschulen in Weimar, Jena und Leipzig. Er arbeitete anschließend als Lehrbeauftragter an der damaligen Karl-Marx-Universität Leipzig, wo er auch 1958 promovierte. Zwischen 1981 und 1983 war er Chefdirigent am Deutschen Nationaltheater Weimar, von 1985 bis 1996 in Wuppertal. 1985 habilitierte er sich bei Carl Dahlhaus. Daneben übersetzte er gemeinsam mit seiner Frau u. a. Tschaikowskys Oper Die Zauberin sowie die Musikalischen Schriften von Rousseau und die Memoiren von Grétry. Er verfaßte verschiedene Bücher u. a. über Musik des Mittelalters, Schubert, Schumann, Mendelssohn, Mozart, Brahms und zahlreiche, teilweise in Buchform vereinigte Aufsätze, in den letzten Jahren u. a. Musik und Abschied, Mein Weimar, gemeinsam mit Alfred Brendel ein Buch über musikalische Interpretation insbesondere bei Schumann und Beethoven. Er war als Gastprofessor in Harvard, Bochum, Basel und Zürich tätig. Als Gastdirigent wirkte er in den meisten europäischen Ländern, zeitweise ständiger Gast in Eindhoven und Wien (Sinfoniker), in den USA, Brasilien, Japan, China. Zu den ihm verliehenen Preisen gehören u. a. der Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Ernst von Siemens-Musikpreis 2014, Ehrendoktorate der Universitäten bzw. Hochschulen in Bern, Weimar, Dresden.

Moderation: Generalmusikdirektor Dr. Florian Csizmadia

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Zugang zum virtuellen Hörsaal des Kollegs

Organisatorische Hinweise 
Das Alfried Krupp Wissenschaftskolleg bietet den Vortrag auch live als Zoom-Meeting an, in dem sich Zuschauende über den Chat schriftlich beteiligen können.

  • Wir freuen uns, wenn Sie bei der Einwahl in Zoom Ihren Klarnamen angeben. Selbstverständlich können Sie an der Veranstaltung auch unter einem Pseudonym teilnehmen.
  • Eine Liste aller Teilnehmenden ist für alle Beteiligten während der gesamten Veranstaltung einsehbar.
  • Während des Vortrages sind die Mikrofone der Zuschauenden alle automatisch stumm geschaltet, um keine störenden Hintergrundgeräusche zu erzeugen. Die Kamera der Zuschauenden kann gern von Ihnen während des Vortrages angeschaltet werden.
  • Während der gesamten Veranstaltung können Wortmeldungen bzw. Fragen schriftlich im Chat gestellt werden.

Aufzeichnung 
Diese Veranstaltung wird aufgezeichnet, um sie für die Mediathek des Kollegs zu nutzen. In der Aufzeichnung wird nur der/die Vortragende, die Präsentation sowie der Moderator/die Moderatorin zu hören bzw. zu sehen sein. Video-, Audio oder Chatbeiträge werden nicht aufgezeichnet. Ein „REC“-Zeichen am Bildrand informiert die Teilnehmenden.

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Vortragsreihe "Sibelius im Kontext"

Alle Veranstaltungen auf einen Blick

Konzeption: Generalmusikdirektor Dr. Florian Csizmadia und Benjamin Schweitzer M. A. 

In Finnland ist Jean Sibelius ein Nationalheld, in Großbritannien gilt er als wichtigster Nachfolger Beethovens in der Sinfonik, in Deutschland hingegen hat seine Musik nicht in gleicher Weise Fuß gefasst. Das Philharmonische Orchester Vorpommern führt zwischen 2022 und 2024 erstmals in seiner Geschichte alle Sibelius-Sinfonien auf. In der begleitenden Vortragsreihe sollen Werk und Persönlichkeit des Komponisten in einem breiteren Umfeld kontextualisiert und kritisch beleuchtet werden – mit einem Blick auf musikalische und kulturelle Bezüge im Ostseeraum und darüber hinaus.

THEMEN UND TERMINE:

Donnerstag, 8. Dezember 2022 · 18.15 Uhr
Jean Sibelius, national und kosmopolitisch
Professor Dr. Tomi Mäkelä (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Donnerstag, 26. Januar 2023 · 18.15 Uhr
Adornos Mahler-Kriterien für Sibelius? – anhand seiner 4. und 5. Sinfonie
Professor Dr. Peter Gülke (Weimar)

Dienstag, 25. April 2023 · 18.15 Uhr
Tapio in den November Woods – britische Komponisten und Jean Sibelius
Generalmusikdirektor Dr. Florian Csizmadia (Theater Vorpommern)

Donnerstag, 22. Juni 2023 · 18.15 Uhr
Sibelius im Anthropozän
Professorin Dr. Gesa zur Nieden (Universität Greifswald)

Dienstag, 21. November 2023 · 18.15 Uhr
Rindenbrot, Wacholdermusik und Weiße Zwerge – Sibelius im Spiegel der Sprache
Benjamin Schweitzer M. A. (Universität Greifswald)

Dienstag, 23. Januar 2024 · 18.15 Uhr
Sibelius-Interpretation(en) in der Praxis
Generalmusikdirektor Dr. Florian Csizmadia (Theater Vorpommern)
Mag. Thomas Wozonig (Graz) 
Marijn Seiffert (Philharmonisches Orchester Vorpommern)

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