“Second Order Thinking”, wie Yehuda Elkana (1934–2012) es nannte, bezeichnet in wissenschaftshistorischer Perspektive die Entwicklung von Mathematik, Philosophie und verwandten Denkweisen. Deren Anfänge werden üblicherweise im antiken Griechenland gesucht, sie finden sich jedoch auch schon im Alten Orient und in Israel. Die Hebräische Bibel formuliert zwar keine Theorie eines “Second Order Thinking”, sie zeigt jedoch deutliche Anzeichen einer sich entwickelnden Meta-Reflexion in den Bereichen des Rechts, der Religion oder auch der Prognostik. Dieser Vortrag wird das “Second Order Thinking” der Hebräischen Bibel anhand einiger Beispiele vorstellen und dabei über die üblichen und problematischen Annahmen eines „hebräischen Denkens“ oder einer „Achsenzeit“ hinausgehen.
Konrad Schmid ist seit 2002 Professor an der Universität Zürich. In den Jahren 2006, 2011, 2016 und 2026 war er Gastdozent an der Dormitio in Jerusalem, 2012–2013 und 2022 forschte er an der Hebräischen Universität in Jerusalem. 2017 war er Member des Institute for Advanced Study in Princeton, 2018 erhielt er einen Humboldt-Forschungspreis und 2019 einen ERC Advanced Grant. 2020–2021 war er Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin.
Begrüßung: Professor Dr. Thomas Klinger
Moderation: Professor Dr. Stefan Beyerle
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