Wenn wir die Musik von Johann Sebastian Bach hören, dann fühlen wir uns tief in unserer Kultur verankert. Als zeitloses Fundament geben uns seine populären Allzeit-Hits auch ohne ein explizites Vorwissen Halt, die unerschütterliche Logik und mathematische Ordnung seiner Musik verspricht uns strukturelle Sicherheit, manchem wird seine Musik gar zum liturgischen Ritual. Im Rahmen dieses Vortrags begeben wir uns auf die Suche nach dem „fernen Bach“ (Wolfgang Hildesheimer). Dazu gehören die Interpretationswege, die versuchen, zeitliche und künstlerische Distanzen zu überwinden, Transformationen, die seine Musik mit zeitgenössischen Kompositionen verweben oder dekonstruieren. Dies leitet uns in eine klingende, unberechenbare Verbindung mit der nicht-verfügbaren Welt: „Lebendigkeit entsteht nur aus der Akzeptanz des Unverfügbaren“ (Hartmut Rosa). Das Wechselspiel zwischen Verfügbarkeit und Unverfügbarkeit ist nicht nur für die Musik konstitutiv, als notwendige Bedingung für eine gelingende Weltbeziehung durchwebt es unser Leben insgesamt.
Jürgen Oberschmidt war nach dem Studium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover als Lehrer für Musik und Deutsch an einem Gymnasium in NRW, als Kirchenmusiker, Chorleiter und Instrumentallehrer an einer Musikschule tätig. Seit 2010 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Vertretungsprofessor an der Universität Kassel, folgte 2013 einem Ruf auf die Professur für Musik und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Weingarten und wechselte 2016 an die Pädagogische Hochschule Heidelberg.
Er ist Vorsitzender der Internationalen Leo-Kestenberg-Gesellschaft, des Netzwerks Neue Musik Baden-Württemberg, der Föderation musikpädagogischer Verbände Deutschlands, Präsident des Bundesverbands Musikunterricht und Vizepräsident des Deutschen Musikrats.
Moderation: Privatdozentin Dr. Simone Heilgendorff
