Frauen über 60 und die deutsche Geschichte, 1950-2010

Event language: German, Focus: SOCIETY

In der Geschichtsschreibung sind über 60-jährige Frauen größtenteils unsichtbar. Stereotype Darstellungen der Generation von Frauen, die ab 1950 in Rente gingen, sind weit verbreitet: man denke nur an die „Trümmerfrau” und die „Kriegerwitwe“. Alte Frauen werden nicht als historische Subjekte, sondern vornehmlich als apolitische, traditionelle und leidende Opfer gedacht. Mein Projekt rekonstruiert die soziale Situation und politischen Handlungsräume älterer Frauen, die zwischen 1880 und 1950 geboren wurden. Es beruht auf einer Re-Analyse quantitativer und qualitativer sozialwissenschaftlicher Quellen (sogenannter Sozialdaten), um die historische Rolle verschiedener Gruppen alter Frauen in West- und Ostdeutschland sowie im vereinigten Deutschland zu verstehen. Über 60-jährige Frauen navigierten die Geschlechterregimes ihrer Zeit auf strategische Weise. Manche forderten den politischen Konsens heraus. Welche Gruppen von ihnen dies wann und warum taten, ist Gegenstand dieses Vortrags.

Christina von Hodenberg ist Direktorin des Deutschen Historischen Instituts London (GHIL) und Professorin für Europäische Geschichte an der Queen Mary University of London. Sie studierte in Bonn, München und Bielefeld und lehrte und forschte in Freiburg, Berkeley, Harvard und London. Sie hat fünf Monografien zur Politik-, Protest-, Geschlechter- und Mediengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts verfasst. Darunter sind eine revisionistische Darstellung der Protestbewegungen der späten 1960er Jahre („Das andere Achtundsechzig“, deutsch: C.H. Beck 2018; englisch: Oxford University Press, 2024) und ein Buch über Fernsehrezeption und sozialen Wandel („Television’s Moment“, Berghahn, 2015). Neu ist ein Sammelband zu den 1970er Jahren („An Era of Value Change“, Oxford University Press, 2024) sowie ein Themenheft von „Geschichte und Gesellschaft“ zum Konzept der „gender regimes“ (Heft 3/2025).

Begrüßung: Marcus Hoffmann M. A.
Moderation: Professorin Dr. Annelie Ramsbrock

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