Akademiepräsident Mojib Latif ging in seinem Eröffnungsvortrag auf die weltweit einzigartige Rolle des Akademienprogramms ein, wenn es um die geistes- und sozialwissenschaftliche Langzeitforschung in Deutschland geht. Bund und Länder finanzieren die Projekte mit einer Laufzeit von 12 bis 25 Jahren, um das kulturelle Erbe der Menschheit zu erschließen und zu sichern. Angesiedelt sind die Akademieprojekte jeweils an den Landesakademien wie beispielsweise der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. Zu ihrem Einzugsgebiet gehören neben Hamburg auch die Bundesländer Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. So breit die fachliche Skala der Forschungsgegenstände in den Langzeitforschungsprojekten des Akademienprogramms sind – alle Projekte, so Latif, geben „Antworten auf zentrale Fragen wie zum Beispiel: Wo kommen wir her? Wie haben wir uns entwickelt? Und warum sind wir heute da, wo wir sind?“
Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung erläuterte Projektkoordinatorin Dagmar Penzlin den rund 50 Besuchern, wie die Ausstellung konzipiert ist: Großformatige Ausstellungstafeln, Bilder und Ausstellungsobjekte verbinden sich mit Hörstationen und Mitmach-Angeboten zu einem informativ-sinnlichen Einstieg in die Langzeitforschung der Akademie. Zu bestaunen gibt es auch einige originale Ausstellungsobjekte wie beispielsweise eine äthiopische Zauberrolle aus dem 19. Jahrhundert und eine Schamanenkrone.
Erstmals ist die Ausstellungsstation vom Langzeitforschungsprojekt „Mittelniederdeutsche Grammatik“ in der Ausstellung in Greifswald zu sehen. Das Projekt ist im Januar 2026 gestartet und schließt eine Forschungslücke. Die geplante Grammatik des Mittelniederdeutschen erschließt auch die vielfältigen mittelalterlichen Schriften des Hanseraums. Beim Rundgang zur Eröffnung erklärte Prof. Dr. Sarah Ihden aus dem Leitungsteam das Konzept der neuen Ausstellungsstation. Neugierig machte sie insbesondere auf die Mitmachstation mit dem extra entwickelten Brettspiel „Schiff um Schiff“, das dazu einlädt, die mittelniederdeutsche Sprache und Grammatik spielerisch zu erkunden.
Die Ausstellung ist in Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt und damit für taube Menschen zugänglich. Im Januar 2027 gibt es drei Vorträge im Begleitprogramm zur Ausstellung (siehe Info-Kasten).
Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg führt derzeit acht Langzeitforschungsprojekte in Kooperation mit der Universität Hamburg und der Hochschule für Musik und Theater München durch. Ihre Themen reichen von antiken Handschriften bis hin zu aktuellen Fragestellungen. Was sie verbindet: Sie schaffen Grundlagen für weitere geisteswissenschaftliche Forschungen national wie international und liefern Erkenntnisse für Gegenwart und Zukunft. Damit sichern diese Projekte Wissen, das sonst verloren ginge.
Eckdaten:
Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald
Martin-Luther-Straße 14, 17489 Greifswald
Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist geöffnet im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen des Kollegs sowie dienstags und mittwochs von 14 bis 18 Uhr. Darüber hinaus sind individuelle Besuchstermine nach Vereinbarung möglich.
Kontakt: Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald
Telefon: +49 3834 420-5001 | E-Mail: info(at)wiko-greifswald.de
Der Eintritt ist frei.
Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald statt und wird finanziert von der Freien und Hansestadt Hamburg.
Landingpage der Ausstellung
➤ https://www.awhamburg.de/magazin/ausstellung-zur-langzeitforschung-in-hamburg.html
Begleitprogramm zur Ausstellung
• 18.01.2027 um 18 Uhr
„‚Das Wort der Wahrheit ist einfach‘ – oder zusammengesetzt: Mittelalterliche Etymologie als Wissensvermittlung und Weltdeutung“
Vortrag: Dr. Eva Wöckener-Gade (Etymologika),
Universität Hamburg
• 26.01.2027 um 18 Uhr
„Sprache der Hanse und mehr. Einblicke in die vielfältige Sprach- und Textkultur des Mittelniederdeutschen“
Vortrag: Prof. Dr. Sarah Ihden (MiNGra),
Universität Rostock
• 29.01.2027 um 18 Uhr
„Aus den Tiefen Sibiriens ins digitale Korpus: ein Manuskript geht auf Reise“
Vortrag: Prof. Dr. Beáta Wagner-Nagy (INEL),
Universität Hamburg
Ort: Hörsaal im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald
Martin-Luther-Straße 14
17489 Greifswald
Eintritt frei
Pressemitteilung der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
