Klosterlandschaft als Kulturraum. Die Nachnutzung ehemaliger mittelalterlicher Klosteranlagen in Mecklenburg-Vorpommern

Event language: German, Focus: SOCIETY

Mit der Säkularisation infolge der evangelisch-lutherischen Reformation im 16. und 17. Jahrhundert wurden die Klöster und Stifte auch im Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern weitgehend aufgelöst. In vielen Fällen wurden die Bauten der oftmals umfangreichen Klosteranlagen in den Jahren nach der Reformation oder auch erst in späterer Zeit abgebrochen, dienten als Steinbruch, wurden umgenutzt oder ihre Mauern gingen in späteren Bauten auf. So wurden im Falle des Franziskanerklosters Greifswald dessen Gebäude und Anlagen zunächst weiter genutzt, später jedoch überwiegend abgebrochen, darunter 1790/95 auch die Kirche. Andere Anlagen erfuhren eine städtische Umnutzung, wie im Falle der Franziskaner- und Dominikanerklöster Stralsunds, deren Gebäude großenteils bis heute erhalten geblieben sind und kulturell genutzt werden.
Mitunter erhielten sie als herzogliche Ämter eine neue Bedeutung, wie im Falle des Zisterzienserklosters Doberan, wurden zu Horten sakraler Kunstwerke wie das dortige Münster, zu adeligen Stiften wie das ehemalige Benediktinerkloster Dobbertin oder erfuhren eine romantisierende Überhöhung in der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts, wie die gotische Kirchenruine des Zisterzienserklosters Eldena bei Greifswald.
Der Vortrag soll anhand ausgewählter Beispiele über den vielfältigen Werdegang der Klosteranlagen in Mecklenburg und Vorpommern nach der Reformation berichten und ihre profanen und kulturellen Nutzungen bis in die heutige Zeit aufzeigen. In anderen Teilen der Welt wurden zur selben Zeit neue Klöster gegründet. Auch hierzu wird anlässlich des 800. Todestages von Franziskus von Assisi ein eindrucksvolles Beispiel als Überraschungsmoment im Vortrag gezeigt.

Jens Amelung studierte von 1982 bis 1987 Städtebau an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar und ergänzte seine Ausbildung durch ein Studium der Denkmalpflege an der TU Dresden. Nach Tätigkeiten als Architekt in Dresden und Lima war er von 1990 bis 1995 Gebietsdenkmalpfleger in Potsdam. Seit 1995 arbeitet er im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, zunächst als Konservator für Bauten der Religionsgemeinschaften, seit 2024 als Gebietskonservator für Vorpommern-Rügen. Seit 2014 ist er Vorsitzender des Fördervereins „Dorfkirchen in Not“.

Chair: Dr. Gregor Ploch

Location

  • Alfried Krupp Wissenschafskolleg Greifswald
    Martin-Luther-Straße 14
    17489 Greifswald