Von Gelbfieber zu Zika: Globale Bedrohungen durch Flaviviren

Vor mehr als hundert Jahren wurde nicht nur erstmals nachgewiesen, dass die verheerenden und gefürchteten Gelbfieber-Seuchen durch ein Virus verursacht werden, sondern auch, dass die Übertragung durch Stechmücken und nicht von Mensch zu Mensch erfolgt. Seitdem wurden in vielen Regionen der Welt mehr als 70 ähnliche, durch Arthropoden übertragene Viren (Flaviviren) entdeckt, von denen einige als Krankheitserreger des Menschen große Bedeutung erlangt haben.

Dazu zählen die Dengue-Viren (mit geschätzten 390 Millionen Infektionen pro Jahr die häufi gste durch Arthropoden übertragene virale Infektion des Menschen), das West-Nil-Virus und das Japanische-Enzephalitis- Virus, aber auch das in Europa heimische und durch Zecken übertragene Frühsommermeningoenzephalitis-Virus. Der rezente Ausbruch des Zika-Virus im Pazifi k, Süd- und Mittelamerika führt eindringlich vor Augen, dass durch Stechmücken übertragene und vorher weitgehend unbedeutende Flaviviren ihre Verbreitungsgebiete völlig unerwartet ausdehnen und sich durch bisher nicht beobachtete Eigenschaften wie Teratogenität und sexuelle Übertragbarkeit manifestieren können. Die ungebrochene Bedrohung durch altbekannte und neu auftauchende Flaviviren stimuliert sowohl die Entwicklung neuer Impfstoffe als auch die Umsetzung innovativer Konzepte zur gezielten Bekämpfung von Stechmücken als Infektionsüberträger.

Franz X. Heinz studierte Pharmazie in Wien, promovierte 1976 und habilitierte 1983. Zwischen 2004 und 2015 war er Direktor des Klinischen Institus für Virologie an der Medizinischen Universität Wien. 1983 erhielt er den „HOECHST-Award for studies on the molecular epidemiology of tick-borne encephalitis virus“ und den „MERCK-SHARPE&DOHME Vaccine Award for studies on the standardization of the antigenic contents in vaccines“.

Moderation: Professor Dr. Dr. h.c. Thomas C. Mettenleiter


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