Dr. Hanna Engelmeier

Alfried Krupp Junior Fellow
(Oktober 2021 - März 2022) 

  • Studium der Kulturwissenschaft und Philosophie in Münster und Berlin, promovierte 2014 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit über die deutsche Anthropologie in der Zeit der frühen Darwin-Rezeption.
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Medienwissenschaft an den Universitäten Weimar und Bochum und in der Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main
  • derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen

Fellow-Projekt: „Obsoleszenz. Ästhetik und Mediengeschichte des Veraltens, Verschleißens und Überflüssigwerdens“

Obsoleszenz ist der zentrale Begriff für Diskurse und Formen des Veraltens, Überflüssigwerdens und Verschleißens in kapitalistisch organisierten Industriegesellschaften. Während sich die Lebensdauer von Menschen durch wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Innovationen erheblich verlängert hat, ist das Leben der Dinge zeitgleich scheinbar immer weiter verkürzt worden. Dieses Spannungsverhältnis regt die Forschung zur Obsoleszenz seit den 1960er Jahren an.
In meiner Zeit am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in Greifswald möchte ich die Auseinandersetzung mit nicht mehr funktionstüchtigen und nützlichen Objekten aller Art als ein zentrale, zeitgenössische Debatte über Vergänglichkeit herausarbeiten. Dabei wird jedoch nicht die Obsoleszenz dieses oder jenes Produkts, Objekts oder Phänomens im Vordergrund stehen, sondern die Frage danach, welchen Bedarf die Auseinandersetzung mit Obsoleszenz in theoretischer und historischer Hinsicht erfüllt. Dazu wird ein mentalitätsgeschichtliches Denkbild angeboten, in dem sich die Konfrontation mit Vergänglichkeit, Ende und vor allem den dagegen aufgebotenen Strategien verdichtet. Durch diese Anlage des Projekts soll es zudem möglich werden, Prozesse des Veraltens auch an immateriellen Objekten und Phänomenen wie Stil oder Textgattungen zu beobachten.