Professor Dr. Birger Petersen

Alfried Krupp Senior Fellow
(Oktober 2017 - September 2018)

  • Geboren 1972 in Lübeck
  • Studium an der Musikhochschule Lübeck (Komposition und Musiktheorie) und der Christian-Albrechts-Universität Kiel (Musikwissenschaft, Theologie und Philosophie)
  • Universitätsprofessor für Musiktheorie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Fellow-Projekt: „Musikalische Skizzenforschung zum späten 19. Jahrhundert“

Josef Gabriel Rheinberger gehörte nicht nur zu den produktivsten Komponisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sondern auch zu den einflussreichsten Lehrern für Komposition, der maßgeblich an der Entwicklung der 1867 gegründeten Königlichen Musikschule München beteiligt war.

Im Mittelpunkt des Projekts stehen Rheinbergers Skizzen. Dabei ist die Frage, welche Rolle Skizzen in der Entstehung letztgültiger Partituren spielen, autortypisch und nicht ausgehend von Modellvorstellungen zu lösen: In Skizzenbüchern Rheinbergers werden gelegentlich Satzteile ausgearbeitet oder neue Kompositionen begonnen, während in Arbeitsmanuskripten Skizzierungen anzutreffen sind. Hinzu kommt die Fülle an tendenziell ungeordneten Mitschriften aus Rheinbergers Unterrichtstätigkeit und der Umstand, dass sich in der Regel unter den Skizzenmaterialien auch Schülerarbeiten finden, deren Provenienz vielfach ungeklärt ist. Modalitäten des Skizzierens sind voneinander zu unterscheiden, die den Kompositionsprozess als solchen durchdringen, aber kategorial verschiedenen kompositorischen Arbeitsformen angehören können – die einer Komposition als spontaner Einfall vorausgehende Skizze, die getrennt vom Werkautograph in einem Skizzenbuch quasi auf Vorrat gespeichert ist, besitzt einen anderen Textstatus als das skizzierte Strukturkondensat. Skizzieren ist bei Rheinberger Teil eines Textdialogs, der für die genetische Textkritik philologisch-methodisch wie hinsichtlich der Darstellungsweise eine Herausforderung darstellt.