Privatdozent Dr. Patrick Eiden-Offe

Senior-Fellow, Oktober 2026 bis September 2027
Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin

  • Seit 2017: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin. Seit 2025 Ko-Leitung des Programmbereichs Theoriegeschichte.
  • 2017: Habilitation an der Universität Duisburg-Essen in Neuerer deutscher Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft. Habilitationsschrift „Die Poesie der Klasse. Romantischer Antikapitalismus und die Erfindung des Proletariats“ (Matthes und Seitz Berlin 2017, spanische Übersetzung 2021, englische Übersetzung 2023).
  • 2008: Promotion an der Universität Konstanz mit der Dissertation „Das Reich der Demokratie. Hermann Brochs ‚Der Tod des Vergil‘“ (Fink 2011).

Fellow-Projekt: „Georg Lukács (1885–1971): Eine intellektuelle Biographie im Zeitalter der Extreme“

Der ungarische Philosoph, Literaturtheoretiker und Revolutionär Georg Lukács ist einer der großen politischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. In seiner Biographie durchlebte er alle Höhen und Tiefen dessen, was Eric Hobsbawm als „Zeitalter der Extreme“ bezeichnet hat: Sein Weg führte aus einem großbürgerlichen Elternhaus im Budapest des Fin de Siècle über die kommunistische Weltbewegung der 1920er Jahre und das Exil im stalinistischen Moskau bis zum „real existierenden Sozialismus“ der Nachkriegsjahrzehnte. In der intellektuellen Biographie Lukács', die ich schreibe, wird seine theoretische Entwicklung mit seinem politischen Engagement verknüpft. Dabei wird auch berücksichtigt, dass Lukács' Theorie wiederholt Renaissancen erlebt hat, etwa in der Neuen Linken der 1960er Jahre oder in der politisch-theoretischen Reaktion auf die globale Wirtschaftskrise seit 2008. Die Aktualität Lukács‘ zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Person und Werk in den letzten Jahren wieder Ziel von Angriffen geworden sind: So hat die Regierung Victor Orbáns in Ungarn wiederholt Kampagnen gegen Lukács lanciert. Angesichts des weltweiten Aufstiegs eines neuen Autoritarismus scheint dieser exemplarische Intellektuelle des 20. Jahrhunderts heute eine neue Relevanz zu gewinnen.