Professor Dr. Dr. h.c. Stefan Hugo Ernst Kaufmann

Senior-Fellow, April bis September 2027
Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin

  • Gründungsdirektor Emeritus des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie, Berlin; Senior Group Leader am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, Göttingen.
  • Ehemaliger Präsident und Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Immunologie; ehemaliger Präsident der European Federation of Immunological Societies (EFIS) sowie der International Union of Immunological Societies (IUIS); Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats und des Kuratoriums der Lindauer Nobelpreisträgertagungen; Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie der European Molecular Biology Organization (EMBO).
  • Träger zahlreicher bedeutender wissenschaftlicher Auszeichnungen, u. a. Alfried Krupp Förderpreis 1987; Autor von mehr als 1.000 wissenschaftlichen Publikationen mit über 120.000 Zitierungen und einem H-Index von über 160; einer der weltweit meistzitierten Wissenschaftler unter den oberen 0,01 % von rund sieben Millionen Forschenden in 22 großen wissenschaftlichen Fachgebieten.

Fellow-Projekt: „Nutzung neuer Erkenntnisse zur Immunantwort gegen Tuberkulose für die rationale Impfstoffentwicklung"

Grundlegende Erkenntnisse zur Immunantwort gegen Tuberkulose (TB) führten zur rationalen Entwicklung eines neuen Impfstoffs, der VPM1002 genannt wurde (Kaufmann SHE, Front. Immunol. 14:1273938, 2023).  
Eine Phase-III-Studie (PreVenTB) des Indian Council of Medical Research umfasste ein außergewöhnlich breites Spektrum von Studienteilnehmenden. Eingeschlossen wurden weibliche und männliche Probanden ab einem Alter von sechs Jahren ohne obere Altersgrenze, Personen mit oder ohne latente Mycobacterium tuberculosis-Infektion sowie Teilnehmende mit chronischen Erkrankungen und bekannten Risikofaktoren für TB. Die PreVenTB Studie bildet damit die reale Situation von Haushaltskontakten von TB-Patienten besonders gut ab und besitzt eine hohe Aussagekraft für die praktische Anwendung zukünftiger Impfstrategien (Singh M. et al. BMJ 2026;393:e085716).
Die primäre Analyse zeigte keine ausreichende Schutzwirkung gegen TB über alle Altersgruppen hinweg. Per-Protokoll-Analysen ergaben jedoch eine signifikante Reduktion der extrapulmonalen TB. Darüber hinaus deuteten Post-hoc-Analysen auf eine ausgeprägte Schutzwirkung bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis <14 Jahren hin, sowohl gegen pulmonale als auch gegen extrapulmonale TB. Bei Teilnehmenden, die zum Zeitpunkt der Impfung noch nicht infiziert waren, sich jedoch innerhalb von sechs Monaten nach der Impfung infizierten, zeigte VPM1002 eine besonders starke Schutzwirkung gegen alle Formen der TB, die bei extrapulmonalen Manifestationen ausgeprägter war.
Zukünftige Untersuchungen werden sich auf die Aufklärung der immunologischen Mechanismen konzentrieren, die dem Schutz vor pulmonaler und extrapulmonaler TB zugrunde liegen.
Über die Prävention von TB hinaus hat VPM1002 auch vielversprechende Wirkungen als Immuntherapeutikum bei nicht-muskelinvasivem Harnblasenkarzinom gezeigt. Weitere Studien werden daher zugrunde liegende immunologische Mechanismen entschlüsseln und untersuchen, inwieweit gemeinsame und unterschiedliche Prinzipien protektiver und therapeutischer Immunität vorliegen.