Dr. Yuki Okazaki

Junior-Fellow, Oktober 2026 bis September 2027
Universität Osnabrück

  • 2026: Promotion in Evangelischer Theologie an der Universität Münster mit einer Dissertation zum theologischen Geschichtsverständnis bei Emanuel Hirsch (1888-1972) 
  • 2023-2026: Lehrbeauftragter für Japanisch an der Universität Osnabrück
  • Studium der Theologie an der Doshisha Universität in Kyoto 

Fellow-Projekt: „Die Luther-Renaissance als internationales theologisches Netzwerk zwischen Deutschland und Skandinavien"

Das Forschungsprojekt untersucht die sich in den 1910er bis 1930er Jahren entwickelnde theologische Bewegung der „Luther-Renaissance“ als Versuch einer internationalen Netzwerkbildung zwischen Theologen aus Deutschland und den Ländern Skandinaviens. Die Luther-Renaissance ist eine von Karl Holl ausgehende theologische Strömung. Sie zeichnete sich durch die Neuinterpretation der Theologie Martin Luthers als „Gewissensreligion“ aus und hatte einen erheblichen Einfluss auf die protestantische Theologie des frühen 20. Jahrhunderts. Die Luther-Renaissance entwickelte gegenüber der von Karl Barth vertretenen Dialektischen Theologie eine alternative theologische Orientierung, die die persönliche Beziehung zu Gott sowie die Glaubenserfahrung des Menschen stärker in den Mittelpunkt stellte. 
Dieses Forschungsprojekt soll aufzeigen, (a) auf welcher gemeinsamen Problemwahrnehmung und welchen gemeinsamen Zielsetzungen die internationale Zusammenarbeit der Theologen der Luther-Renaissance beruhte und (b) weshalb sie im Zuge des erstarkenden Nationalismus sowie der Politisierung von Kirche und Theologie in den 1930er-Jahren scheiterte. 
Grundlage bilden die Analyse von Beiträgen deutscher und skandinavischer Theologen in der Zeitschrift für Systematische Theologie sowie die Auswertung von Briefquellen zentraler Exponenten wie Emanuel Hirsch, Carl Stange, Anders Nygren, Eduard Geismar und Torsten Bohlin. Dadurch sollen die Möglichkeiten und Grenzen religiöser und wissenschaftlicher Netzwerke im Europa der Zwischenkriegszeit historisch neu bewertet und zugleich Anregungen für die Reflexion über gegenwärtige Formen internationaler religiöser und wissenschaftlicher Kooperation geliefert werden.