Einblicke aus Kunst und transdisziplinärer Forschung: Was Moore über planetare rExistenz erzählen

Fokus: ERDE, UMWELT & KLIMA, Veranstaltungssprache: Deutsch

Was würde es bedeuten, die Welt durch Sümpfe und Moore, Moraste und Feuchtgebiete wahrzunehmen? Was murmelt das nasse (und wiederzuvernässende) Netz, das sich um den Planeten spannt, Vergangenheiten und Zukünfte birgt, an Wissen und Orakeln für diese Zeit? Eine Zeit, in der soziale und ökologische Bewegungen an Stärke gewinnen, die sich für planetares resistir y re-xistir1einsetzen, für rExistenzen – für ein Überleben auf und mit der Erde, das sich aus der Verbindung von Lebendigem und Widerständigem nährt. Eine Zeit, die von der Beschleunigung von Klimakatastrophen, Autoritarismus und Militarisierung, Ökozid und Genozid geprägt ist. Ausgehend von künstlerischen Arbeiten und transdisziplinären Forschungen im Kontext der Kunst- und Forschungsplattform Sensing Peat an der Michael Succow Stiftung reflektiert Suza Husse Ansätze aus und mit Mooren im Baltikum, in Norddeutschland, in Ostafrika, Osteuropa und Südsüdamerika. Die communitybasierten und transkulturellen Methoden verknüpfen die ökologische und soziale Wiederherstellung von verwundeten wie wundertragenden Moorwelten mit der Wiederbelebung von Nasskulturen und feuchtem Wissen.

Suza Husse ist Forscher:in, Poet:in, Schwimmer:in und Kulturarbeiter:in. Sie arbeiten kollaborativ und undiszipliniert an den Schnittstellen von queerer Ökologie und antikolonialen Kulturen. Seit 2024 kuratieren sie die Kunst- und Forschungsplattform Sensing Peat in der Michael-Succow-Stiftung / Greifswald Mire Centre und organisieren mit dem Venice Agreement for Peatlands (VA). VA ist ein globales Community-Netzwerk für Moorschutz von unten durch lokale Initiativen und dekoloniale Ansätze. Mit dem wandernden Kunstraum district*schule ohne zentrum und dem Kollektiv The Many Headed Hydra initiiert Suza gemeinsam mit Vielen performative, verwurzelte und spekulative Praktiken, die unterschiedliche Welten und Wissen miteinander verbinden. Seit 2016 ko-programmieren sie die nomadische Plattform und das Online-Archiv für postsozialistische feministische Videokunst D’EST. Von 2017 bis 2018 waren sie Gastprofessor:in für interdisziplinäre künstlerische Forschung an der Universität der Künste Berlin. Sie publizieren zu zeitgenössischer Kunst und Kultur im Zusammenhang mit Ökologie, Kolonialität, Queerfeminismus, Postsozialismus und Extraktionskulturen, u. a. bei Archive Books, Diaphanes, February Journal, D’EST, und ECCLECTIC.

1Lina María Hurtado Gómez, Geograf:in und Wissenschaftler:in für lateinamerikanische und amazonische Territorialitäten, Konflikte und soziale Bewegungen, erklärt, dass das Konzept der „Re-Existenz“ inmitten sozialer Kämpfe im lateinamerikanischen Kontext entstanden ist. Gómez vertritt die Auffassung, dass „Re-Existenz“ und „Resistenz“, oder Widerstand, sich überschneidende Prozesse sind, die sich gegenseitig einbeziehen und erneuern und so dem Dasein und der Umwelt in sich wandelnden Strategien der Territorialisierung neue Bedeutungen verleihen, die auf der Vergangenheit/Tradition, auf gegenwärtigen Kämpfen/Konflikten sowie auf Zukunftsvorstellungen/Träumen/Vorstellungen basieren. Lina María Hurtado Gómez, Resistir y Re-existir, 2022.

Moderation: Professor Dr. Gerald Jurasinski

Ähnliche Veranstaltungen

Veranstaltungsort

  • Alfried Krupp Wissenschafskolleg Greifswald
    Martin-Luther-Straße 14
    17489 Greifswald