Social Frames und Social Framing: eine Bestandsaufnahme


Donnerstag, 2. Juli 2026 | 18.00 Uhr

Öffentlicher Abendvortrag von Professor Dr. Alexander Ziem (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) im interdisziplinären Fachtagung unter der wissenschaftlichen Leitung von Max Hoferichter und Professorin Dr. Konstanze Marx-Wischnowski (beide Greifswald)

Auch in den sozialen Medien prasseln viele Informationen ungeheuer schnell und unaufhörlich auf uns ein. Um nicht in der schieren Datenflut unterzugehen, sind wir gezwungen, Wahrnehmungsdaten zu sortieren und einzuordnen. Trotz des großen kognitiven Anspruchs läuft dieser Prozess gleichsam automatisch und unbemerkt ab. Geleitet wird er nicht zuletzt durch Frames, die wir erworben haben und die den Verstehensprozess unterhalb der Wahrnehmungsschwelle lenken. In dem Vortrag wird die These vertreten, dass Frames in ihrer Funktion, als Schablonen des Verstehens zu fungieren, in doppelter Hinsicht intrinsisch sozialer Natur sind: Sie entstehen aus der sozialen Interaktion und prägen diese zugleich, weshalb sie immer auch als Werkzeuge der interessegeleiteten Steuerung und selektiven Distribution von Informationen (aka "Framing") operieren.  

Professor Dr. Alexander Ziem ist Inhaber des Lehrstuhls „Germanistische Sprachwissenschaft“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie Leiter des FrameNet-Konstruktikons des Deutschen (https://framenet-constructicon.hhu.de/) und hauptverantwortlicher Initiator des Studiengangs „Digital Cultures“. Nach Lehr- und Forschungstätigkeiten an der Technischen Universität Berlin und der Universität Basel war er 2013 und 2014 als Fellow am „International Computer Science Institute“ (FrameNet) in Berkeley, Kalifornien (USA), tätig sowie Leiter verschiedener DFG-Projekte. Von 2011 bis 2019 war er Direktor des Graduiertenkollegs zum SFB 991 „The Structure of Representations in Language, Cognition and Science“. Als Gastprofessor lehrte er zunächst 2019 an der Università degli Studi di Milano in Italien, 2025 dann an den Universitäten Kyoto und Tokio in Japan. Seine aktuellen Tätigkeiten richten sich auf die Weiterentwicklung des deutschen FrameNets und Konstruktikons unter Einbezug einer Global-FrameNet-Perspektive (letztere unterstützt durch den DAAD in Kooperation mit Prof. T. Torrent und Prof. O. Czulo). Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Konstruktionsgrammatik (unter anderem im Grenzbereich zur Phraseologie), der Frame-Semantik sowie der Digitalen Linguistik in Kombination mit der Erforschung des öffentlichen Sprachgebrauchs.