ABSAGE: Die Theaterbühne als Boxring oder was Mohammed Ali mit dem aktuellen afrikanischen Drama zu tun hat

Digital Lecture,Alumni Fellow Lecture

„Wer in Afrika Theater machen will, muss gegen die Verhältnisse anboxen“, so die Hauptfigur in Dieudonné Niangounas Nennt mich Muhammad Ali (2014). Dieses Theaterstück des 1976 in Brazzaville (Republik Kongo) geborenen Dramatikers und Regisseurs ist als Monolog einer Figur konzipiert, die mit zwei Stimmen spricht: als Schauspieler, der über seinen Beruf und das Theater reflektiert, sowie als die von ihm gespielte Rolle des Boxers Mohammed Ali. Zentrales Thema beider Stimmen sind rassistisch grundierte Herabsetzungserfahrungen von Schwarzen in Geschichte und Gegenwart. Das Drama richtet sich teils an ein weißes, teils an ein schwarzes, teils an ein ununterscheidbares, da allmählich zu einer ambivalenten Gemeinschaft verschmelzendes Publikum und zeigt die gemeinsame Verstrickung in Kolonialgeschichte, Rassismus und neokoloniale Denkmuster auf. Zugleich reflektiert das Stück die Verletzungsmacht von Sprache und tariert davon gekennzeichnete Identitätsbildungsprozesse aus. Vor dem theoretischen Hintergrund des Konzepts der Invektivität und anhand ausgewählter Texte der frankophonen subsaharischen Literaturen der Gegenwart nimmt mein Vortrag Konstellationen und Dynamiken von Herabsetzung, Diskriminierung und Ausgrenzung in den Blick, die ihre Ursprünge in der europäisch-afrikanischen (post-)kolonialen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts haben und nach wie vor die afrikanische und europäische Gegenwart prägen.

Roswitha Böhm wurde 2014 als Universitätsprofessorin für Französische Literatur- und Kulturwissenschaft an das Institut für Romanistik der TU Dresden berufen. Zuvor war sie Wissenschaftliche Assistentin am Frankreich-Zentrum der Freien Universität Berlin sowie dann Gast- bzw. Vertretungsprofessorin für Iberoromanische und Französische Literaturwissenschaft an der FU Berlin und an der Universität Duisburg-Essen (2013: Ablehnung des Rufs auf die W3-Professur für Romanische Philologie). Sie ist Gründungsdirektorin des Centrums Frankreich | Frankophonie (CFF) und Sprecherin (mit Dominik Schrage) des Deutsch-Französischen Doktorandenkollegs „Unterschiede denken. Narrative – Medien – Praktiken“. Von 2015 bis 2020 war sie Studiendekanin der Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften, von 2019 bis 2020 Senatorin, seit 2020 ist sie Prorektorin Universitätskultur an der TU Dresden. Im akademischen Jahr 2011/12 war Roswitha Böhm Junior Fellow am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald.

Moderation: Professorin Dr. Ulla Bonas


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