Geschändet – getötet – begraben. Stellvertretendes Handeln und Gewaltausübung an Wappen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit

Öffentlicher Abendvortrag
Foto: Elia Zilberberg

In der heraldischen Forschung ist man sich seit langem – und in jüngerer Zeit auch in der an bildlichen Quellen interessierten kulturwissenschaftlichen Symbol- und Kommunikationsforschung – darin einig ist, dass Wappen als Bildzeichen Personen, Gruppen und Institutionen im breitesten Sinn des Wortes „repräsentieren“ können. In der Regel wird dabei an die Funktion von Wappen als Zeichen(systeme) individueller Selbstdarstellung und „Marker“ familialer Beziehungen, an die Visualisierung von Besitz- und Eigentumsverhältnissen und an die Beglaubigungsfunktion von Wappensiegeln im Kontext der vormodernen Diplomatik gedacht.
Dagegen hat die mediävistische Memoria-Forschung der letzten Jahrzehnte sich davon überzeugt gezeigt, dass im Vollzug (liturgischer wie sozialer) memorativer Handlungen die Verstorbenen als Rechtssubjekte gleichsam verlebendigt würden, und jüngere Studien verstehen eine Vielzahl an Bildquellen des Spätmittelalters (etwa Wappen und Porträts) als mediale Strategien zur Präsenthaltung Abwesender. Der Vortrag greift auf die Konzepte von Stellvertretung und Repräsentation aus den historischen Kulturwissenschaften zurück und fragt nach, in welcher Hinsicht Wappen in der Vormoderne symbolisch, aber auch handfest und physisch anstelle der Wappenführenden Gegenstand von Gewaltausübung waren. Das Spektrum der untersuchten Quellen spannt einen Bogen von Illustrationen zu historiographischen Quellen über Schmähbriefe und Beispiele heraldischer Damnatio memoriae bis hin zu Begräbnisritualen.

Andreas Zajic leitet die Abteilung Editionsunternehmen und Quellenforschung – MIR am Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie Wien und damit die Wiener Anteile an den Langzeitprojekten der MGH Diplomata, der Deutschen Inschriften und der Regesta Imperii. Zudem ist er Principial Investigator und Koordinator des SFB F 92 „Managing Maximilian“ und mehrerer anderer FWF-Projekte. Als Privatdozent für Österreichische Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien unterrichtet er vor allem Paläographie, Diplomatik, Heraldik und Sphragistik.

Moderation: Professorin Dr. Regula Schmid Keeling

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