Unmittelbar nach den Katastrophen des 2. Weltkriegs und der Shoah tragen zwei Philosophen grundlegende Kritiken an der fortschrittsoptimistischen Geschichtsphilosophie der Aufklärung und des 19. Jahrhunderts vor: Karl Löwith (1897–1973) und Jacob Taubes (1923–1987). Löwith dekonstruiert die Zukunftshoffnungen der Geschichtsphilosophie von Vico über Kant und Hegel bis zu Marx und Comte als säkularisierte christliche Geschichtstheologie; Taubes analysiert die Geschichtsphilosophie als neuzeitliche Fortsetzung biblischer Heilstheologie, aber auch als Ausdruck neuzeitlicher Hybris. Die Fellow Lecture wird zeigen, dass Weltkrieg und Shoah der implizite Hintergrund dieser Kritik der Geschichtsphilosophie sind.
Christoph Schulte war nach Studium in Heidelberg und Berlin sowie Forschungs- und Lehraufenthalten in Jerusalem, Montreal, Paris, Chicago und Aix-en-Provence von 2001 bis 2024 Professor für Philosophie und Jüdische Studien an der Universität Potsdam; ferner Gastprofessor in Philadelphia, Zürich, Basel, Hamburg und Haifa. Seine Arbeitsschwerpunkte sind jüdische und christliche Religionsphilosophie, jüdische Religions- und Geistesgeschichte der Neuzeit, Philosophie der Aufklärung und Wissenschaft des Judentums. Er lebt in Berlin und ist auch Research Fellow am Bucerius Institute der Universität Haifa. Im akademischen Jahr 2025/26 ist Christoph Schulte Senior-Fellow am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald.
Moderation: Professor Dr. Heinrich Assel
