Studien zur kollektiven Kognition liefern zahlreiche Beispiele dafür, wie die effiziente Verbreitung von Informationen innerhalb von Gruppen mit zunehmender Gruppengröße zu Vorteilen führt. Allerdings ist wenig darüber bekannt, ob Gruppen auch maladaptive Informationen wie etwa Fehlalarme verstärken und ob solche Kosten mögliche Vorteile reduzieren. In dieser Studie untersuchten wir wildlebende Fischschwärme, die kollektiv mit Flucht-Tauchbewegungen reagieren, wenn sie von Vögeln angegriffen werden. Wir analysierten die kollektive Reaktion auf Vogelangriffe sowie auf ähnliche, aber harmlose Überflüge in Abhängigkeit von der Schwarmgröße. Größere Schwärme erkannten Räuberangriffe zunehmend besser, während ihre Reaktion auf harmlose Überflüge konstant blieb. Zudem nahm die Entscheidungszeit mit steigender Schwarmgröße ab. Größere Schwärme konnten somit gleichzeitig zwei zentrale Zielkonflikte überwinden, die für individuelle Entscheidungen typisch sind: den Konflikt zwischen richtigen und falschen Alarmen sowie den Konflikt zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit.
Ich werde diese Ergebnisse in den Kontext von Beispielen menschlicher kollektiver Kognition bei ähnlichen Problemen stellen und versuchen, daraus eine allgemeine Definition kollektiver Kognition abzuleiten. Am Ende meines Vortrags werde ich erläutern, wie unsere Arbeiten zur kollektiven Kognition Teil eines umfassenderen Forschungsprogramms zur „Science of Intelligence“ sind, das in unserem gleichnamigen Exzellenzcluster in Berlin entwickelt wird (https://www.scienceofintelligence.de/).
Moderation: Denise Becker und Jule Meyer B.Sc.
