Pasticcio / Pastiche-Verfahren in den Künsten der Gegenwart

Workshop
Abbildung: bearbeitete Werbepostkarte für den Stummfilm „Das Dreimäderlhaus“ von Richard Oswald von 1918 nach dem gleichnamigen Singspiel von Heinrich Berté nach Franz Schubert

Die Beschäftigung mit den Gattungen bzw. künstlerischen Verfahrensweisen des Pasticcio und des Pastiche hat nicht erst seit der jüngsten Rechtssprechung des europäischen Gerichtshofs zur Verarbeitung eines Samples der Band Kraftwerk durch den Rapper Moses Pelham an Relevanz gewonnen. Seit den neuen Möglichkeiten, die das Internet 2.0 und die daran angeschlossenen veränderten Rezeptionsweisen von bildender Kunst, Musik, Literatur und Performances der künstlerischen Produktion eröffnet, werden künstlerische Verfahrensweisen mit präexistenten Materialien auch verstärkt in ästhetischen Literatur- und Filmtheorien diskutiert. Hier stehen sowohl die gattungsmäßige Abgrenzung des Pasticcios bzw. des Pastiche von Parodie, Satire, Medley, Revue, Kontrafaktur etc. zur Debatte, als auch die mit der Rezeption verbundenen Entitäten des Werkbegriffs, der sozialen Geschlechterdefinitionen oder der kulturellen Erinnerung. Während Maxime Décout kürzlich eine Publikation zum Pastiche mit dem Titel „Qui a peur de l’imitation?“ vorlegte, hat die philosophische Ästhetik es als grundlegendes Prinzip alltäglicher, zumeist auch improvisatorischer kultureller Umgangsweisen entdeckt.

Im Workshop sollen Verfahrensweisen zwischen Pasticcio und Pastiche in den Künsten der Gegenwart zwischen Literatur, Musik, Videospiel, Comic und Internet ausgelotet werden. Dabei soll es zum einen um die historische Binnendifferenzierung zwischen dem mit der italienischen Oper und mit einer performativen Ausstellungsdimension verbundenen Begriff des Pasticcios und dem zeitgenössisch stärker vorangebrachten Pastiche gehen, der eher mit der Imitation, der Hommage, aber auch der Erinnerung verschmolzen ist. Zum anderen sollen soziokulturelle Wirkungsweisen und Auswirkungen der Gegenwartskunst in ihrer Verbindung mit Pasticcio und Pastiche zur Sprache kommen, wie sie im Hinblick auf eine globalisierte kulturelle Integration oder die Auflösung des Autorbegriffs bzw. in der Restrukturierung kunstgebundener Verlagswelten und ästhetischen Hierarchisierungen bemerkbar sind. Diese beiden Fragen sollen im Rahmen der Podiumsdiskussion nicht zuletzt an zwei aktuellen künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Pasticcio/Pastiche thematisiert werden, wie sie von Johannes Kreidler unter dem Titel VORLAGEN und von Thomas Meinecke unter dem Titel REMAKE/REMODEL vorgetragen werden. Die philosophisch-künstlerische Perspektive, die Prof. Dr. Judith Siegmund zum künstlerischen Handeln der Gegenwart einbringen wird, rundet die Diskussion ab.

Anmeldung

Wissenschaftliche Leitung: Professor Dr. Gesa zur Nieden (Greifswald)

Information: Sebastian Jatzke
Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald
17487 Greifswald
Telefon:     +49 (0) 3834 / 420–5021
E–Mail:     sebastian.jatzkewiko–greifswaldde

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