Das 30. Greifswalder Ukrainicum widmet sich der vielschichtigen und teils widersprüchlichen Natur von Resilienz, ihren Grenzen sowie ihrem komplexen Verhältnis zu Friedensprozessen. Zugleich stellt es Bezüge her zwischen den Erfahrungen des Krieges in der Ukraine und der intensiven europäischen Auseinandersetzung mit den traumatischen Ereignissen des „extremen“ 20. Jahrhunderts (Eric Hobsbawm). Neben geopolitischen und makroökonomischen Perspektiven legt das Programm einen Schwerpunkt auf gesellschaftliche und kulturelle Strategien der Resilienz, des Überlebens und der Traumabewältigung. Im Fokus stehen dabei Praktiken, die offizielle Narrative überschreiten oder unterlaufen, Defizite staatlicher und ideologischer Deutungen ausgleichen und eigenständige Formen des Alltagshandelns jenseits normativer Modelle hervorbringen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Potenzial von Wissenschaft und Kunst, durch kritische Reflexion etablierte Deutungsmuster zu irritieren und so der Verfestigung neuer „unbequemer Orte“ (endroit inconvénient) entgegenzuwirken, wie sie Jonathan Littell in seinem gleichnamigen Buch über Babyn Jar und den Krieg in der Ukraine (2023) beschreibt.
Yevgenia Belorusets, Autorin und Fotografin (Kiew/Berlin), wird am Montag, dem 10. August 2026, um 18 Uhr den Eröffnungsvortrag halten.
