Neuer Fellows-Jahrgang: Forschung von künstlichen Muskeln bis zu Hannah Arendt

Mit dem Alfried Krupp Fellows-Programm ermöglicht das Kolleg seit 2007 herausragenden Forschenden, sich frei von Lehrverpflichtungen und Verwaltungsaufgaben auf ein größeres wissenschaftliches Projekt zu konzentrieren. Zugleich bietet der Aufenthalt in Greifswald Gelegenheit zum Austausch über Fachgrenzen hinweg und zur Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Greifswald.

Wie unterschiedlich die Fragestellungen des neuen Jahrgangs sind, zeigen die einzelnen Vorhaben. Dr. Filiz Ates von der Universität Stuttgart untersucht, wie mechanische Kräfte innerhalb und zwischen Muskelfasern übertragen werden und welche Rolle dabei das umgebende Bindegewebe spielt. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, künstliche Muskeln zu entwickeln, die das mechanische Verhalten biologischen Gewebes besser nachbilden können. Professor Dr. Dr. h.c. Stefan Hugo Ernst Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie beschäftigt sich mit der Immunantwort gegen Tuberkulose und der Frage, wie neue Erkenntnisse für die gezielte Entwicklung von Impfstoffen genutzt werden können. Professorin Dr. Annette Vowinckel von der Humboldt-Universität zu Berlin nimmt mit ihrem Projekt „Hannah Arendt historisieren!“ eine der einflussreichsten politischen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive in den Blick.

Einen besonderen Akzent setzt im akademischen Jahr 2026/27 der Schwerpunkt „Interdisziplinäre Erforschung des Ostseeraums – von Kultur bis Ökologie“. Drei Fellow-Projekte sind ihm zugeordnet. Privatdozent Dr. Rainer Erices untersucht die Transformation des ambulanten DDR-Gesundheitswesens zwischen 1990 und 1995 am Beispiel einer ländlich geprägten Region im Ostseeraum. Dabei fragt er nach politischen Handlungsspielräumen, Konflikten vor Ort und den langfristigen Folgen des institutionellen Umbruchs für die Gesundheitsversorgung.

Dr. Yuki Okazaki erforscht die Luther-Renaissance der 1910er bis 1930er Jahre als internationales theologisches Netzwerk zwischen Deutschland und Skandinavien. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit entstand und weshalb sie angesichts des erstarkenden Nationalismus und der zunehmenden Politisierung von Kirche und Theologie in den 1930er Jahren scheiterte. Dr. Takafumi Yamamoto von der Hokkaido University richtet den Blick auf gesundheitliche Ungleichheiten und untersucht im Vergleich von Deutschland, Schweden und Japan, welchen Einfluss sozioökonomische Faktoren auf die Mundgesundheit haben.

„Die wissenschaftliche Vielfalt des neuen Jahrgangs zeigt sehr gut, was das Fellows-Programm auszeichnet: Forschende mit ganz unterschiedlichen Perspektiven kommen in Greifswald zusammen und erhalten hier die Zeit und den Raum, ihre Projekte voranzutreiben. Der Schwerpunkt zum Ostseeraum schafft zusätzliche Anknüpfungspunkte zur Forschung an der Universität Greifswald und bringt zugleich sehr unterschiedliche Disziplinen miteinander ins Gespräch“, sagt Professor Dr. Thomas Klinger, Wissenschaftlicher Direktor des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs Greifswald.

Der neue Jahrgang wird beim Fellowday am 19. Oktober 2026 im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg vorgestellt. Die Fellows geben dabei Einblicke in ihre Forschungsvorhaben, mit denen sie sich während ihres Aufenthalts in Greifswald beschäftigen werden.

Das Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald wurde 2002 von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gemeinsam mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Universität Greifswald gegründet, um die Forschungsexzellenz der Universität zu stärken. Das 2007 ins Leben gerufene Alfried Krupp Fellows-Programm bildet einen Schwerpunkt seiner Arbeit.

Die Fellows des Jahrgangs 2026/27 im Überblick

Dr. Filiz Ates, Senior-Fellow, Universität Stuttgart
Fellow-Projekt: „Multiskalares Verständnis der Kraftübertragung im Skelettmuskel für das Design künstlicher Muskeln“

Dr. Annelie Bachmaier, Junior-Fellow, Technische Universität Dresden
Fellow-Projekt: „Das Fach Slavistik im Verhältnis zu politischen Zäsuren (1925–2025)“ – Tandemprojekt mit Privatdozentin Dr. Tatjana Hofmann

Privatdozent Dr. Patrick Eiden-Offe, Senior-Fellow, Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin
Fellow-Projekt: „Georg Lukács (1885–1971): Eine intellektuelle Biographie im Zeitalter der Extreme“

Privatdozent Dr. Rainer Erices, Senior-Fellow, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Fellow-Projekt: „Vom Vorzeigemodell zum Systembruch: Transformation des ambulanten DDR-Gesundheitswesens 1990–1995 im Ostseeraum“

Dr. Annika Hildebrandt, Junior-Fellow, Universität Bonn
Fellow-Projekt: „Dekadenz und Realismus. Polemische Relationen in der deutschen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts“

Privatdozentin Dr. Tatjana Hofmann, Junior-Fellow, Universität Graz
Fellow-Projekt: „Das Fach Slavistik im Verhältnis zu politischen Zäsuren (1925–2025)“ – Tandemprojekt mit Dr. Annelie Bachmaier

Professor Dr. Dr. h.c. Stefan Hugo Ernst Kaufmann, Senior-Fellow, Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin
Fellow-Projekt: „Nutzung neuer Erkenntnisse zur Immunantwort gegen Tuberkulose für die rationale Impfstoffentwicklung“

Ass.Prof. Dr. Thomas Moser, Senior-Fellow, New Design University St. Pölten
Fellow-Projekt: „ORBITALE ÖKOLOGIEN: Zukunftsbilder terrestrischer Umwelt zwischen Raumfahrt, Automobil und Afrofuturismus“

Dr. Yuki Okazaki, Junior-Fellow, Universität Osnabrück
Fellow-Projekt: „Die Luther-Renaissance als internationales theologisches Netzwerk zwischen Deutschland und Skandinavien“

Professorin Dr. Annette Vowinckel, Senior-Fellow, Humboldt-Universität zu Berlin
Fellow-Projekt: „Hannah Arendt historisieren!“

Dr. Takafumi Yamamoto, Junior-Fellow, Hokkaido University
Fellow-Projekt: „Auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit bei der Mundgesundheit: Länderübergreifende Erkenntnisse zu sozioökonomischen Determinanten aus Deutschland, Schweden und Japan“